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Meistens angeln wir Hechte

Vom Mackenzie River zur Yukon-Mündung
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Die Sonne brennt bereits mit Macht. Fast jeden Tag kämpfen wir mit dem Wind ums Vorwärtskommen. Rückenwind hindert dabei manchmal mehr als Gegenwind: Durch die vielen Gepäckstücke auf unseren Decks und den nicht mittig liegenden Schwerpunkt in den Booten will er uns immer quer zur Strömung drehen. Weil es nachts oft windstill ist, ändern wir einmal unseren Tagesrhythmus und paddeln erst abends los. Aber das ist nichts für uns; die tief stehende Sonne blendet sehr und um 3 Uhr morgens beim Lageraufbau ist es lausekalt; wir sind klamm und müde, haben keinen Nerv, noch groß zu kochen.

Freundlichen und hilfsbereiten Menschen, Indianern wie Weißen wie Eskimos, begegnen wir immer wieder auf dieser Reise, sei es in Hay River, Fort Good Hope, Old Crow, Tanana, Russian Mission, Emmonak; in einem Fischcamp, auf dem Fluß, am Ufer im Lager. Diese Begegnungen sind ebenso kostbare Geschenke für uns wie das wochenlange Eintauchen in die menschenleere Flußwildnis. Die Leute sind entspannt, freuen sich über die Begegnung mit uns, sie lassen uns einblicken in ihre Welt, schenken uns Gastfreundschaft, Fisch, Elchfleisch. Zeit?! - Zeit ist egal, zumindest im Sommer. Was ein Gegensatz zum zivilisierten Alltagsstreß in Frankfurt!

Immer wieder peitscht der Wind fast meterhohe Wellen auf dem Mackenzie auf, besonders, wenn Querströmungen mit im Spiel sind. Wir nähern und den Sans Sault Rapids. Mit mulmigem Magengefühl klettere ich morgens ins Boot. Doch wir haben Glück, genau wie wenige Tage später bei den Stromschnellen zu Beginn des Rampart Canyons: Das Hochwasser hat sie fast vollständig absaufen lassen. Von den Sans Sault Rapids sehen wir in der Ferne am rechten Ufer einige Schaumkronen auf Wellenkämmen und hören es rauschen; von den Rampart Rapids bekommen wir, als wir uns am rechten Ufer halten, beim besten Willen nichts mit.

Der Mackenzie mäandert vielleicht nicht so stark wie andere Flüsse, auch hat er nicht so viele Inseln wie der Yukon auf weiten Strecken, doch für uns ist klar: Langweilig ist er auf keinen Fall! Hunderte Kilometer begleiten uns zur Linken wie zur Rechten Gebirgszüge; das Ufer präsentiert sich mal als steile erdige Abbruchkante, mal als ebene, dichte Packung von Findlingen, mal als felsiger Steilhang mit Meeresfossilien, mal als rauchschwelende Böschung.

 

Camp am Mackenzie River
Abendstimmung am Mackenzie River
Nachts ist es meist windstill
Das Holzcamp von Fred Jerome
Fred Jerome
Junger Grizzly am Mackenzie