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Vom
Mackenzie River zur Yukon-Mündung
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Nach knapp 1000 Kilometern weitet sich vor uns das Mackenzie Delta.
Wir kaufen in Arctic Red River Proviant für 40 Tage und halten
uns am westlichen Ufer, um die Mündung des Peel Rivers nicht
zu verpassen. Dort sehen wir das letzte Eis. Der Peel strömt
träge mit 2-3km/h, da paddeln wir locker gegen an. Nach einem
ersten Schlamm-Camp dringen wir weiter nach Westen vor, in den Husky
Channel, und schließlich in den Rat River. Dessen Ufer sind
anfangs steil und urwaldig; die Lagerplatzsuche gestaltet sich schwierig.
Dazu sengende Hitze und Mückenwolken. Dann das Fischcamp der
Familie von Caroline Kay aus McPherson: Caroline, eine 93 Jahre
alte Gwich'in-Indianerin, bereitet mit ihrer Familie Trockenfisch
und ist besorgt als sie hört, daß wir den Rat River hinauf
und über den McDougall Pass wollen: "You will have hard
times!" Später erkennen wir: Sie wußte, wovon sie
sprach. Caroline's Familie schenkt uns reichlich fetten Trockenfisch,
als wir weiterziehen.
Am
nördlichsten Punkt unserer Tour macht der Rat River eine scharfe
Kurve nach Südwest. Dort beginnt eine dreiwöchige Hölle
für uns: Knapp 300m Höhe gewinnt der Rat River auf seinen
letzten etwa 70 Kilometern. Wir müssen die Boote treideln,
wochenlang durch 8 Grad kaltes Wasser gegen Stromschnellen hochzerren,
lebensgefährliche Querungen gegen die reißenden Fluten
meistern: Kanuwandern einmal anders. Weiter oben bremsen zahllose
Biberdämme, verkeiltes Treibholz, Weiden- und Erlengestrüpp
unser Vorankommen. Die
folgende Portage ist relativ einfach, wir haben es tatsächlich
geschafft, bis zum allerletzten Gewässer hochzutreideln. Unsere
150 Kilogramm Ausrüstung und Proviant schleppen wir in fünf
Gängen über den Pass. Bis zum Summit Lake waren es so
nur 550 Meter! Am 9. Juli haben wir es geschafft, stehen zum ersten
Mal am Summit Lake. Was für ein Hochgefühl!
Auch
im Little Bell River müssen wir manche Stelle treideln, erst
im Bell River gibt es endgültig wieder genug Wasser zum Paddeln.
Wir fischen fast jeden Tag Äschen aus dem klaren Bell, bevor
der trüb-rote Eagle River damit ein Ende macht. Wind und Wolken
nehmen wieder zu. 36 Tage hinter Arctic Red River erreichen wir
die freundliche Siedlung Old Crow am Porcupine River. Bald darauf
lassen wir uns von der grandiosen Canyon-Landschaft des Porcupine
auf dem Weg nach Alaska berauschen. Wegen des eher schlechten Sommerwetters
konstruiert Walter mit unseren zwei Tarps ein Küchen-Tipi,
das sich gut bewährt und das wir für den Rest der Reise
verwenden. Nomen est omen - ein Stachelschwein gibt sich am Porcupine
River die Ehre.
Anfang August haben wir das hellgraue Yukonwasser unter uns. Der
Fluß zieht gewaltig, durch die zahlreichen Regenfälle
herrscht immer noch Hochwasser. Kiesbänke gibt es kaum.
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