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Angeschwemmte Kieferpollen
Mit dem Kanu auf dem Inarisee, Seite 3 von 4 [zurück][weiter][1][2][3][4]

Die Wolkendecke des nächsten Morgens bekam endlich Struktur, und wir fotografierten Flechten und Moose, die in unglaublicher Formen- und Farbenvielfalt Boden und Findlinge bedecken. Die Uferfelsen hingegen waren dort, wo sie aus dem Wasser aufragten, dick mit gelben Kieferpollen überzogen.

Gegen Mittag zeigte sich mit den ersten blauen Himmelsflecken auch "unser" erstes Rentier. Sein wachsendes Geweih in samtigen Bast gehüllt, stand es mit zottigen Winterfellresten bei dem Hüttendorf Suolisvuono am linken Ufer kurz vor dem Seeende.
Dort inspizierten wir zunächst die urige Schutzhütte und ihren Feuerholzschuppen, bevor wir mit der Portage begannen. Die Schienen der Seilwinde von Suolistaipale ragen bis tief ins Wasser, und wir ließen den Zugkarren so weit hinab, dass wir das beladene Boot daraufziehen konnten. Nach einigen Minuten Kurbelei war unser Kanadier an einer Stahlleine etwa 30m weit über Land gezuckelt und glitt in den etwa 2 m höher gelegenen Suolisjärvi. Wieder im Boot, suchten wir ganz in der Nähe die Verbindung zum nächsten See, den Kynneljärvi. Als die Landschaft endlich wieder eine Positionsbestimmung auf der Karte zuließ, waren wir schon etwa 1km zu weit. Also wieder zurück, und vor der großen mehrlappigen Bucht hinein in einen schmalen, felsdurchsetzten Seenzipfel, der sich bald in ein schnell strömendes Verbindungsflüßchen verwandelte, das in den schmalen, tiefer gelegenen Kynneljärvi führte.
Mittlerweile verwöhnte uns das Wetter mit einem Sonne-Wolken-Mix, und wir lagerten am Ende des Verbindungsbächleins am Rand eines lichten Birkenwäldchens. Knapp 100 km hatten wir nun hinter uns, und Sigi hatte an diesem Tag das nördlichste Camp ihres Lebens erreicht, auf 69°20'.

Eine wunderschöne Seenlandschaft durchpaddelten wir am nächsten Tag; das Wasser ist immer noch glasklar, aber ein wenig türkiser als das des Inarisees. Die Wasseroberfläche war so spiegelglatt, dass wir fast glaubten, lautlos über den felsigen Boden zu fliegen. Gegen Ende des etwa 8 km langen Kynneljärvi hörten wir es am linken Ufer rauschen. Unter den Felsbrocken eines etwa sieben Meter hohen Geröllhangs stürzte sich das Wasser eines namenlosen Sees hinab. Sonnentau färbte sein Ufer stellenweise rot. 3-4 Engstellen mit kleinen Schwällen passierten wir auf unserer Weiterfahrt. Sigi treidelte eine ab, alle anderen fuhren wir. Noch zwei kleine Rapids lockerten unseren Weg in den Kynnelvuono, einen östlichen Zipfel des Inarisees, auf.

Am neunten Paddeltag stellten wir fest, dass auf der Karte die Seezeichen "E" von Untuvaniemi und das Seezeichen von Aikionniemi vertauscht auf der Karte eingezeichnet sind. Während einer Pause fing ich ruckzuck eine große, dicke Äsche. Ein laichbereites Weibchen?
Unser Lager schlugen wir an diesem Abend in einer tiefen Bucht im Vätsäri-Wildmarksgebiet in der Nähe des Huutojärvi auf. Sigi sezierte die Äsche. Sie war zu unserer Überraschung nicht randvoll mit Laich, sondern mit Bandwürmern! Uns schmecke die frische Bratäsche dennoch hervorragend.

Rentier
Seilwinde am Suolistaipale
Am Kynneljärvi
Treideln durch ein Bächlein am Kynneljärvi
Typisches Seezeichen am Inarisee
Kapitale (Bandwurm ~~~) Äsche