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Text:
Siglinde Fischer
Fotos: Walter Steinberg
Allgemeines
Der Sarek-Nationalpark ist Teil des schwedischen Weltnaturerbes
Laponia und liegt nördlich des Polarkreises nahe der Grenze
zu Norwegen. Im Sommer dominiert der wilde Rapaätno mit seinem
Delta die gebirgige Wildnis, im Winter liegen Rapadalen und Nachbartäler
kaum berührt und tief verschneit. Dann sinken die Temperaturen
gern unter -40° C. Hier gibts eine Übersichtskarte
zu unserer Tour.
Tourenverlauf
Mit unserem alten treuen Polo zuckeln wir Anfang März 2008
gut 2600 Kilometer nach Kvikkjokk, einem kleinen Dörfchen am
Rand des Sareks: Eine handvoll Häuschen, ein Kirchlein, viel
Schnee - und null Grad! Das hatten wir uns anders vorgestellt, also,
viel kälter jedenfalls. Wir marschieren los, auf dem Kungsleden,
im Winter ist er eine Skooter-Buckelpiste. Immer wieder brausen
Motorschlittenrudel an uns vorbei. Sind sie weg, glaube ich, die
nächsten schon zu hören: Dabei seufzen und knirschen nur
unsere Schlitten im Schnee. Feiner Schnee rieselt.
Endlich
bekommen wir unseren ersehnten Kühlschrank: Morgens -13°C.
Tagelang bleibt es trübe und windstill mit pausenlosem, feinem
Schneefall. Der Westzipfel des Tjaktjajaure liegt eines frühen
Nachmittags vor uns. Den eben noch queren und dann drüben lagern?
Na gut. Von wegen "na gut": Der Tjaktjajaure ist ein Stausee;
sein Pegel kann um 35m schwanken. Und es hatte wohl jemand den Stöpsel
gezogen: Im Schlingerkurs geht es auf und ab, durch gigantische
Eispressungen, über steile "Bodenwellen". Eineinhalb
Stunden später erreichen wir erschöpft das andere Ufer.
Dort tummeln sich, wie am Rogen, jede Menge dicke Felsbrocken -
ganz Schweden ist eine Endmoräne, ich sag's ja. Wir lagern
am Motorschlittenweg und hoffen, nicht aus Versehen über den
Haufen gefahren zu werden.
Bei
minus 6 Grad, Himmelsgrau und Schneegeriesel ziehen wir über
den Laitaure-See und streben dem Gehöft Aktse zu. Im Westen
breitet sich das Rapadalen aus, umrahmt von gewaltigen Berghängen.
Mittendrin sitzt majestätisch der Felsblock des Namatijs. Wir
ziehen zurück zum Ufer und dann Richtung Rapadalen. Irgendwann
klart der Himmel auf - Sonne! Wir lagern bei riesigen Felsbrocken
unterhalb des Skierfe. Die dort befindliche Opferstelle der Samen
finden wir leider nicht. Erstmals kommt etwas Wind auf und es wird
nachts kalt: -20°C.
Wir
ziehen ins Rapadalen. Neuschnee-Gehen mit unseren alaskanischen
Schneeschuhen strengt ganz schön an. Auf der Südseite
passieren wir den Namatij - von da erscheint er uns längst
nicht mehr so imposant. Ab und an führt unser Weg durch schüttere
Birkenwäldchen. Mehrmals queren wir den teils offenen Rapaätno.
Oft führt die Route mitten auf dem Fluß entlang. Namatij
sieht mittlerweile von Westen her betrachtet wieder manierlich aus.
Immer wieder fliegen Schneehühner auf.
Eines Morgens grandioses Alpenglühen auf den Berggipfeln rings
um unser Lager. Fasziniert vom vergänglichen Schauspiel möchte
ich möglichst viele Fotos machen und spule dabei einen vollen
Diafilm zu schnell zurück: Häßliches Knirschen und
Knistern, gepaart mit unverhältnismäßig leichtem
Filmtransport, verrät mir: Ich habe bei -29°C meinen Film
geschreddert. Später rettet Walter in der Dunkelkammer namens
Schlafsack, was zu retten ist.
Ostermontag erwache ich mit meinem persönlichen Kälterekord:
-36°C! Frühling im Sarek! Als die Sonne zu unserem Zelt
vordringt, stehen wir wie die Erdmännchen in ihren wärmenden
Strahlen.
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