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Abendstimmung in der Bay of Islands
Katmai [Seite 4 von 4][zurück][1][2][3][4]

Als wir uns dem Brooks Camp nähern, sehen wir ad hoc vier Bären; einer davon nimmt gerade nahe der Rangerstation ein Nickerchen. Es sind tatsächlich deutlich mehr Bären in der Gegend als noch vor sechs Tagen; wir können später von der Beobachtungsplattform aus sogar neun Stück gleichzeitig sehen. Wir beobachten bei gutem Wetter, wie sie einen Lachs nach dem anderen fangen, ihn wie ein Brötchen zwischen die Pfoten nehmen und Schwanz voran verspeisen. Wie unglaublich laut es dabei knackt und knirscht! - Insgesamt haben wir aber vom Brooks Camp den Eindruck eines "großen Zoos".

Nach einer kühlen Nacht (3°) beginnen wir tags darauf mit unserem Aufstieg auf den Dumpling Mountain. 700 Höhenmeter Anstieg liegen vor uns, auf einer Strecke von etwa 6km. Vom Campingplatz führt der Pfad zunächst durch lichten Pappel-Birkenwald mit taunassem Gras. Nach etwa 1,5km erreichen wir den "Overlook Point", der uns die erste gute Möglichkeit bietet, auf das gesamte Brooks Camp und die Seen hinabzuschauen. Beinahe bis zum Delta des Savonoski River können wir blicken; von dort zieht schlechtes Wetter heran. Bald lassen wir die Baumgrenze hinter uns; die kaum 20 cm hohe Tundra bietet ein berauschendes Farbspektakel. Wir genießen den Ausblick auf die Bay of Islands. Etwa hundert Höhenmeter vor der Gipfelkuppe verliert sich der Pfad. Die Regenfront im Nacken, hasten wir dem Gipfel entgegen und schaffen es gerade noch, oben die Regensachen anzuziehen, als es zu schütten und zu donnern beginnt. Schnell hinab; es bleibt keine Zeit, die Aussicht nach Westen zu genießen. Nach 20 Minuten ist das Spektakel vorbei. Bald bahnt sich die Sonne wieder ihren Weg durch die Wolken. Gegen sechs Uhr sind wir wieder zurück.

Nach einer weiteren Übernachtung auf der "Adlerinsel" schlagen wir den Rückweg nach King Salmon ein. Wind und Wolken nehmen im Lauf des Tages zu; so schlagen wir nach nur 10km auf einer kleinen, flachen und geschützt in einem engen Kanal gelegenen Insel das Lager auf. Erste Kraniche ziehen mit wehmütig klingenden Rufen über uns Richtung Nordost hinweg. Das Zelt steht ufernah zwischen lauter kaum meterhohen Weidenbüschen; der Boden ist von Mäusegängen durchlöchert. Die Proviantsäcke stellen wir deshalb auf die bärensicheren Container.
Anständige Mäuse: Bootshäute wie Proviantsäcke zeigen am nächsten Morgen keine Löcher. Der Wind hat zugenommen und auf Ost gedreht. Das Thermometer zeigt 10°C. Es beginnt leicht zu regnen. Heute wollen wir Strecke machen, denn in drei Tagen geht unser Flug nach Anchorage und wir haben noch 75km vor uns. Stetig gewinnt der Wind an Stärke und peitscht immer höhere Wellen auf. Ich habe versäumt, mich von vorneherein wasserdicht anzuziehen - nun kann ich wegen der Brandung nicht mehr an Land. Notdürftig ziehe ich auf dem Wasser die Spritzdecke über. Die letzten fünf Kilometer sind reiner Kampf gegen Wellen und Wind. Alle paar Minuten drücke ich mit aller Macht das Paddel rechts gegen den Süllrand und als Steuer ins Wasser, um in Ufernähe zu bleiben. Wellen donnern bald von oben auf mich herab und ich merke, wie mir das Wasser am Körper nach unten rinnt. Meine Ärmel sind schon längst getränkt. Die Boote, ebenso wie wir, werden der Naturgewalt nicht mehr lange standhalten können. Unsere potentiellen Camp-Inseln liegen etwa 200m vom Festland entfernt. Verzweifelt kämpfen wir uns gegen Wind und Wellen hin, aber sie taugen nichts: zu flach, grasig und sumpfig. Gegenüber am Festlandsufer vermuten wir schließlich dort, wo eine große Fichte und auch Birken aufragen, festen Boden zum Zelten. Wir bieten für die Überfahrt unsere letzten Kräfte auf, um uns nicht die Paddel wegreißen zu lassen. Gottseidank findet sich tatsächlich ganz in der Nähe und im Schutz der Bäume eine geeignete Lagerstelle. Unterdessen rauschen die Böen immer heftiger und der Lärmpegel ist beachtlich.

Am nächsten Morgen hat der Wind etwas nachgelassen. Mit der Aussicht, daß durch die Verengung des Sees das Spektakel da draußen ohnehin bald ein Ende haben wird, brechen wir mittags auf. Diesmal sind wir komplett wasserdicht angezogen. Schnell werde ich wieder unter fließend Wasser begraben - doch diesmal ist es mir egal. Tatsächlich nimmt die Gewalt der Wellen bald merklich ab, schon fast vermisse ich sie. Dann erreichen wir das Seeende und der Naknek River ist geboren: Viele Hütten säumen sein rechtes Ufer, Motorboote jagen herum. Die Strömung des Naknek Rivers ist anfangs gering. Zahllose Fischleichen säumen die Ufer des gesamten Flusses, darunter auch viele Pinks und Chums. Nach etwa acht Kilometern verengt sich das Bett des Naknek Rivers - zügig geht es die nächsten acht Kilometer über Riffles und durch stehende Wellen, manchmal fast meterhoch. Die Ufer sind oft steil, sandig oder mit Bäumen bewachsen; dahinter baumlose, oft sumpfige Tundra. Inseln? Fehlanzeige. Wir können nicht die leiseste Spur der in der Karte eingezeichneten Kiesbänke ausmachen. Auf den letzten Kilometern vor King Salmon verbreitert sich das Flußbett mehrmals lagunenartig. Immer wieder haben wir unterwegs angehalten, um einen Lagerplatz zu finden, doch keinen geeigneten gefunden. So erreichen wir schließlich nach 35km die öffentliche Bootsrampe von King Salmon, ein trostloses Fleckchen. Ein letzter toter, stinkiger Buckellachs liegt am Ufer und verabschiedet uns vom Wasser. Wir verbringen abermals eine teure Nacht im Antler Inn und erfahren, daß uns die Reste eines Taifuns das Paddeln schwer gemacht haben. Den Flug nach Anchorage buchen wir um; dort kostet uns später eine Übernachtung im Arctic Bed&Breakfast nur 60 Dollar.

Campinsel in der Bay of Islands
Bay of Islands, Abendstimmung
Blick vom Dumpling Mountain über den Iliuk Arm
Herbstliche Tundra
Northarm des Naknek Lake
Unterwegs am Nordufer des Naknek Lake
Feuer macht aus der Wildnis ein Zuhause
Naknek Lake Abendstimmung
Ein Tarp in der Küche ist sehr praktisch....
Ein letzter Blick auf den Naknek Lake