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Als wir uns dem Brooks Camp nähern, sehen wir ad hoc vier
Bären; einer davon nimmt gerade nahe der Rangerstation ein Nickerchen.
Es sind tatsächlich deutlich mehr Bären in der Gegend als
noch vor sechs Tagen; wir können später von der Beobachtungsplattform
aus sogar neun Stück gleichzeitig sehen. Wir beobachten bei gutem
Wetter, wie sie einen Lachs nach dem anderen fangen, ihn wie ein Brötchen
zwischen die Pfoten nehmen und Schwanz voran verspeisen. Wie unglaublich
laut es dabei knackt und knirscht! - Insgesamt haben wir aber vom
Brooks Camp den Eindruck eines "großen Zoos".
Nach
einer kühlen Nacht (3°) beginnen wir tags darauf mit unserem
Aufstieg auf den Dumpling Mountain. 700 Höhenmeter Anstieg
liegen vor uns, auf einer Strecke von etwa 6km. Vom Campingplatz
führt der Pfad zunächst durch lichten Pappel-Birkenwald
mit taunassem Gras. Nach etwa 1,5km erreichen wir den "Overlook
Point", der uns die erste gute Möglichkeit bietet, auf
das gesamte Brooks Camp und die Seen hinabzuschauen. Beinahe bis
zum Delta des Savonoski River können wir blicken; von dort
zieht schlechtes Wetter heran. Bald lassen wir die Baumgrenze hinter
uns; die kaum 20 cm hohe Tundra bietet ein berauschendes Farbspektakel.
Wir genießen den Ausblick auf die Bay of Islands. Etwa hundert
Höhenmeter vor der Gipfelkuppe verliert sich der Pfad. Die
Regenfront im Nacken, hasten wir dem Gipfel entgegen und schaffen
es gerade noch, oben die Regensachen anzuziehen, als es zu schütten
und zu donnern beginnt. Schnell hinab; es bleibt keine Zeit, die
Aussicht nach Westen zu genießen. Nach 20 Minuten ist das
Spektakel vorbei. Bald bahnt sich die Sonne wieder ihren Weg durch
die Wolken. Gegen sechs Uhr sind wir wieder zurück.
Nach
einer weiteren Übernachtung auf der "Adlerinsel"
schlagen wir den Rückweg nach King Salmon ein. Wind und Wolken
nehmen im Lauf des Tages zu; so schlagen wir nach nur 10km auf einer
kleinen, flachen und geschützt in einem engen Kanal gelegenen
Insel das Lager auf. Erste Kraniche ziehen mit wehmütig klingenden
Rufen über uns Richtung Nordost hinweg. Das Zelt steht ufernah
zwischen lauter kaum meterhohen Weidenbüschen; der Boden ist
von Mäusegängen durchlöchert. Die Proviantsäcke
stellen wir deshalb auf die bärensicheren Container.
Anständige Mäuse: Bootshäute wie Proviantsäcke
zeigen am nächsten Morgen keine Löcher. Der Wind hat zugenommen
und auf Ost gedreht. Das Thermometer zeigt 10°C. Es beginnt
leicht zu regnen. Heute wollen wir Strecke machen, denn in drei
Tagen geht unser Flug nach Anchorage und wir haben noch 75km vor
uns. Stetig gewinnt der Wind an Stärke und peitscht immer höhere
Wellen auf. Ich habe versäumt, mich von vorneherein wasserdicht
anzuziehen - nun kann ich wegen der Brandung nicht mehr an Land.
Notdürftig ziehe ich auf dem Wasser die Spritzdecke über.
Die letzten fünf Kilometer sind reiner Kampf gegen Wellen und
Wind. Alle paar Minuten drücke ich mit aller Macht das Paddel
rechts gegen den Süllrand und als Steuer ins Wasser, um in
Ufernähe zu bleiben. Wellen donnern bald von oben auf mich
herab und ich merke, wie mir das Wasser am Körper nach unten
rinnt. Meine Ärmel sind schon längst getränkt. Die
Boote, ebenso wie wir, werden der Naturgewalt nicht mehr lange standhalten
können. Unsere potentiellen Camp-Inseln liegen etwa 200m vom
Festland entfernt. Verzweifelt kämpfen wir uns gegen Wind und
Wellen hin, aber sie taugen nichts: zu flach, grasig und sumpfig.
Gegenüber am Festlandsufer vermuten wir schließlich dort,
wo eine große Fichte und auch Birken aufragen, festen Boden
zum Zelten. Wir bieten für die Überfahrt unsere letzten
Kräfte auf, um uns nicht die Paddel wegreißen zu lassen.
Gottseidank findet sich tatsächlich ganz in der Nähe und
im Schutz der Bäume eine geeignete Lagerstelle. Unterdessen
rauschen die Böen immer heftiger und der Lärmpegel ist
beachtlich.
Am
nächsten Morgen hat der Wind etwas nachgelassen. Mit der Aussicht,
daß durch die Verengung des Sees das Spektakel da draußen
ohnehin bald ein Ende haben wird, brechen wir mittags auf. Diesmal
sind wir komplett wasserdicht angezogen. Schnell werde ich wieder
unter fließend Wasser begraben - doch diesmal ist es mir egal.
Tatsächlich nimmt die Gewalt der Wellen bald merklich ab, schon
fast vermisse ich sie. Dann erreichen wir das Seeende und der Naknek
River ist geboren: Viele Hütten säumen sein rechtes Ufer,
Motorboote jagen herum. Die Strömung des Naknek Rivers ist
anfangs gering. Zahllose Fischleichen säumen die Ufer des gesamten
Flusses, darunter auch viele Pinks und Chums. Nach etwa acht Kilometern
verengt sich das Bett des Naknek Rivers - zügig geht es die
nächsten acht Kilometer über Riffles und durch stehende
Wellen, manchmal fast meterhoch. Die Ufer sind oft steil, sandig
oder mit Bäumen bewachsen; dahinter baumlose, oft sumpfige
Tundra. Inseln? Fehlanzeige. Wir können nicht die leiseste
Spur der in der Karte eingezeichneten Kiesbänke ausmachen.
Auf den letzten Kilometern vor King Salmon verbreitert sich das
Flußbett mehrmals lagunenartig. Immer wieder haben wir unterwegs
angehalten, um einen Lagerplatz zu finden, doch keinen geeigneten
gefunden. So erreichen wir schließlich nach 35km die öffentliche
Bootsrampe von King Salmon, ein trostloses Fleckchen. Ein letzter
toter, stinkiger Buckellachs liegt am Ufer und verabschiedet uns
vom Wasser. Wir verbringen abermals eine teure Nacht im Antler Inn
und erfahren, daß uns die Reste eines Taifuns das Paddeln
schwer gemacht haben. Den Flug nach Anchorage buchen wir um; dort
kostet uns später eine Übernachtung im Arctic Bed&Breakfast
nur 60 Dollar.
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